St. Hedwig ab L

Kunst von Süßmuth, Richard 1900-1970 in St. Hedwig

Wer war Richard Süßmuth ?

 
Film anzeigen Richard Süßmuth[1] (1900-1970)  wuchs in Penzig in Schlesien heran und geriet hier schon früh durch die Arbeit des Vaters in den Bann der Glasge-staltungskunst und des Gläserlebens. Auf Grund dieser Erfahrungen stand es für den Knaben bereits vor Beendigung der Schulzeit fest, den Beruf des Glasschleifers in der Penziger Adler-Hütte zu erlernen.

Nach beendeter Lehrzeit und später angeschlossener Meistertätigkeit sah Richard Süßmuth seine Ausbildung aber noch nicht als beendet an. Er erkannte bereits als junger Schleifer, dass mit dem Glas mehr als bisher zu machen sei, dass mit dem glühenden Werkstoff Neues zu schaffen war. Dazu musste aber das Wissen erweitert und das Können umfassend geschult werden. Dresden schien dem jungen Mann dafür der richtige Ort zu sein. Sieben Semester an der Akademie für Kunsthandwerk erschlossen dem eifrigen Studenten eine völlig neue Welt. Die Begegnung und Beschäftigung mit dem Expressionismus, dessen erste große Phase in der Malerei gerade abgeschlossen war, erbrachte für den durch die Jugendbewegung geformten Studenten eine Fülle von Anregungen und Eindrü­cken. Dresden wurde für ihn aber auch zum Ort der Begegnung mit alter und neuer Musik und für den überzeugten Christen zum Ort einer gei­stig‑religiösen Erneuerung. Die Namen einiger großer Lehrer an der Kunstakademie sprechen für die Breite des Spektrums von Angeboten und der unterschiedlichen Auffassungen. Es waren vor allem Kokoschka, Albiker und Tessenow, die ihn prägten.

Für die Weiterentwicklung in der praktischen Arbeit Süßmuths in Dresden wurden in der Haupt­sache zwei Einrichtungen bedeutsam: die Abtei­lung für Glasmalerei an der Akademie für Kunst­handwerk und das Gedankengut des Deutschen Werkbundes, in der Elbmetropole vor allem durch die Deutschen Werkstätten vertreten. Bei der Flachglasgestaltung lernte der Student die mittelalterliche Ikonegraphie, die alten Kirchenfenster und vor allem ihre Gestaltungsgesetze kennen, darüber hinaus aber auch die damals neuen Meister, die die alte Kunst in überzeugender Weise in die Sprache ihrer Zeit zu übertragen verstanden. Genannt seien nur Thorn Prikker, Campendonk oder Cäsar Klein. Einfachheit und Geschlossenheit in der Form und die klare Abgrenzung der Farbflächen, die die Flachglasgestaltung und die Glasmalerei fordern, kamen dem jungen Mann in besonderer Weise entgegen.

Aus dem Gedankengut der Werkbundvertreter faszinierten ihn die allgemein positive Einstellung zum Industrieprodukt, das Streben nach Formniveau, die Material- und Werkgerechtigkeit der Produkte - kurz: die Absicht, auch die gewerbliche Arbeit künstlerisch zu veredeln. Mit dem großen Schatz an neuen Erfahrungen und durch zahlreiche Anregungen bereichert, kehrte Richard Süßmuth nach dreieinhalb Jahren Aufenthalt aus Dresden nach Penzig zurück und grün­dete hier eine eigene Werkstatt mit der Firmenbezeichnung „Werkstätten Richard Süßmuth - Glaskunst, Penzig in Schlesien". Das Arbeitsprogramm reichte von der Gestaltung und Veredelung einfachen Gebrauchsglases über das geschliffene und gemalte Fenster bis hin zum Glasmosaik. Etwas später kamen das Beleuchtungs- und auch das Pressglas hinzu. Das für die Arbeit erforderliche Hohlglas produzierte für ihn nach seinen Entwürfen die Adler-Hütte.

Nach seiner Ausbildung zum Glasschleifer begann er ein Studium an der Dresdener Akademie für Kunsthandwerk und gründete 1924 in Penzig[2] in Schlesien einen Glasveredelungsbetrieb. Hier entwi­ckelte er, beeinflusst vom Gedankengut des Bauhauses und des Werkbundes, einen neuen Stil im Glasschliff, der ihm schnell internationale Anerkennung brachte und der seinen Ruhm als Glas­gestalter begründete. Neben stilisierten figürlichen Motiven verwendete Süßmuth als erster in seinem Gebrauchsglas-Programm auch konsequent ungegenständliche Ornamente, die sparsam der zeitlosen Form der Gefäße angepasst waren. Sie ist ein wesentlicher Aspekt in der Gestal­tungsarbeit Süßmuths: Seine Schliffentwürfe passen sich immer dem Glaskörper an und unterstreichen seine Form, ohne das Wesen des Glases, die lichte Durchsichtigkeit, zu beein­trächtigen. Wegen der meisterlichen Umsetzung dieser Gestaltungsgrundsätze wurden seine Arbeiten auf den Triennalen 1931 und 1934 in Mailand hoch ausgezeichnet. Im Zweiten Welt­krieg gingen die Werkstätten in Penzig verloren; Süßmuth begann 1946 in Immenhausen mit dem Wiederaufbau seines Betriebes auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte Lamprecht, die zu Beginn der 30er Jahre aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste und später durch Kriegseinwirkung ebenfalls zerstört wurde.

Süßmuth nahm die Produktion mit Glasformen, die er bereits in den 20er und 30er Jahren ent­worfen und durch Schliff veredelt hatte, in Immenhausen wieder auf und ergänzte sein Gebrauchsglasprogramm schon bald durch neue Serien, die in den 50er und 60er Jahren zum großen Erfolg der Hütte beitrugen. Beispielhaft ist die AE-Serie, die mit verschiedenen Schliffen versehen wurde. Der bekannteste ist der Strahlenschliff, der 1954 auf der Triennale in Mailand mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet wurde und Richard Süßmuths Arbeit wieder Weltgel­tung verschaffte. Neben der Produktion von hochwertigem, künstlerisch bedeutendem Gebrauchsglas gehörte in Penzig und Immenhausen auch die Herstellung von Flachglas. Ein besonderes Verdienst Süßmuths war es, den Glasschliff auch für die Fenstergestaltung zu nutzen. Die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg forderte Erneuerungen und Restaurierungen von zerstörten Kirchenfenstern, durch den Zuzug zahlreicher Katholiken nach Hessen aber auch viele Kirchenneubauten. Bei der Herstellung ihrer Fenster setzte Süßmuth in seinem Atelier in Im­menhausen Maßstäbe. Bis 1970 entwarf der Unternehmer fast alle Gläser, die in der Manufaktur hergestellt wurden, selber; er passte sich dabei dem sich verändernden Zeitgeschmack an. Mitte der 50er Jahre brachte er auch farbiges Glas auf den Markt, in den 60er Jahren wurden seine Formen rustikaler.


 Wer weitere Informationen zu der Glaskunst und zu Süßmuth haben möchte, der besuche die Technikhistorische Stätten in Hessen Glasmuseum und Glashütte Süssmuth.

Das im September 1987 von der Gesellschaft der Freunde der Glaskunst Richard Süßmuth e.V. und der Stadt Immenhausen eröffnete Museum hat im umgestalteten Generatorgebäude der Glashütte Süßmuth seinen Platz gefunden. Grundstückserwerb und Umbauarbeiten erfolgten durch die Stadt mit Unterstützung durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Technik und den Landkreis Kassel. Im gestalterisch eng an das alte Industriegebäude angelehnte Haus betreibt die Gesellschaft der Freunde der Glaskunst das Museum. Es ist eines der wenigen Spezialmuseen für Glas in der Bundesrepublik Deutschland.

Glasmuseum Immenhausen
Am Bahnhof 3
D - 34376 Immenhausen
Tel.: 05673 - 2060Fax: 05673 - 911430
E-mail: glasmuseum@immenhausen.de 


 [1] Einige Textpassagen aus der: Infobroschüre "eco museum reinhardswald"; Text von Friedrich-Karl Baas, Dagmar Ruhlig

[2] Penzig liegt etwa 10 km von Görlitz entfernt und hatte 7305 Einwohner